Von den Walsern im Prättigau zu den Walsern im Avers

Samstag – Material sortieren und packen

Es ist noch einmal sehr heiss. Auch in der Nacht kühlt es nicht richtig ab. Wir sind gemütlich unterwegs und richten uns für die Ferien ein. Die Bergtouren sind bereit, Hotels und Hütten gebucht. Jetzt heisst es, das Material zu sortieren und zu packen. Passend dazu verspüren wir Vorfreude auf hoffentlich hübsche Tage in den Bergen.

Sonntag – heiss und abwechslungreich

05.30 Uhr, wir müssen aus den Federn. Das hat man davon, wenn man Bergtouren macht. Nach dem Zmorge fahren wir nach Mulegns. Das Auto deponieren wir, und eine Viertelstunde später bringt uns das Postauto nach Bivio. Die erste nicht geplante Punktlandung heute.

da fehlen Buchstaben – eigentlich heisst das „roasted“ – für den Kaffee aus Bivio

Wir wollen durchs Valletta da Beiva hinauf zur Fuorcla da la Valletta. Vorbei am Leg Columban, einem Bergsee. Von der Fuorcla geht’s hinauf auf die Erhebung Uf dä Flüe, hinunter zum Stallerberg und ganz hinunter nach Juf.

das Tal Valletta da Beiva
Natur pur

So kommt es. Die Tour ist prächtig. Uns empfängt eine herrlich einsame Berglandschaft. Wir sehen heute drei Personen. Einen Hirten und ein Paar, das auch wandert. Die Ferien sind vorbei. Die Leute sind wieder daheim.

Durch das Tal plätschert ein Bach. Der Leg Columban ist normal gefüllt. Aber die weiteren Seen an der Route sind ausgetrocknet. Wobei das gemäss Landeskarte normal ist. Für Seen, die austrocknen, gibt es sogar eine eigene Signatur. Sie sind gestrichelt umrandet. Die Alpen sind einigermassen grün. Grüner jedenfalls als im Prättigau.

der Leg Columban ist auch bei Rindern beliebt
die Frösche geniessen das kühle Nass
Blick zurück gen Bivio

Ab der Fuorcla wandern wir durch eine steinige Mondlandschaft. Die Sonne scheint durch die Wolken. Das gibt schöne Lichtspiele. Gewittertürme bauen sich auf und verschwinden wieder. Einmal donnert es. Erwischt uns wirklich ein Gewitter? Angesagt sind sie. Ab Mittag kann es nass werden. Am Ende laufen wir trocken in Juf ein. Die nächste Punktlandung. Beim Kiosk kaufen wir Getränke, und das Postauto kommt wie geplant. Unsere Planung flutscht nur so.

Unterweg zum Stallerberg
das Avers mit Juf
karge Landschaft

Zwei Stationen fahren wir, bis wir vor dem Hotel Bergalga stehen. Dort werden wir von den beiden Gastgebern herzlich begrüsst. Schnell sind wir im Zimmer, legen das Gepäck ab, und dann ruft die Lust nach Glacé. Draussen gewittert es zuerst und regnet später weiter . Der Wind bläst böig, und es wird frisch. Was für eine Freude nach all den heissen und trockenen Tagen. Im Zimmer geniessen wir die Ruhe und die Zeit bis zum Abendessen. Das dann ausgezeichnet mundet und unsere Bäuche füllt. Wir gehen definitiv nicht hungrig ins Bett.

Das Hotel bietet übrigens ein spannendes kulturelles Programm und ist einen Besuch wert. Geführt wird es seit 2004 als Genossenschaft. Wo man mit mindestens Fr. 1’000.00 Mitglied werden könnte.

Montag – tierreich und am Ende nass

Der Sonntagabend gehört dem Regen. Als wir ins Bett gehen, prasselt es noch, doch am Morgen ist der Himmel fast wolkenlos. Die aufgehende Sonne taucht die Berge in zauberhaftes Licht – ideale Voraussetzungen für unsere Tour, noch verbessert durch ein exzellentes Morgenessen.

Blick vom Hotel Bergalga ins gleichnamige Tal

Um 07.45 Uhr nehmen wir das Postauto nach Juf, binden dort fünf Minuten später die Schuhe und steigen Richtung Stallerberg auf. Alles ist feucht bis nass, zur Freude unzähliger Alpensalamander, die wir unterwegs passieren. Sobald wir ihnen nahekommen, krümmen sie sich in ihrer typischen Abwehrhaltung. Es ist kühl, das Thermometer bleibt zunächst einstellig, doch der schattige Aufstieg ist angenehm nach der Hitze der letzten Wochen.

Juf
Gabi wird verfolgt

Kurz vor dem Stallerberg holt uns eine Rinderherde ein. Einige Tiere sind sehr neugierig, ein paar bedrängen mich etwas, bis ich sie mit Armwedeln vertreibe. Gabi beobachtet derweil ein besonders gewitztes Rind, das einen Schlauch mit dem Maul gepackt hat und sich Wasser direkt ins Maul laufen lässt – so etwas haben wir noch nie gesehen.

Fragt die braune Kuh die schwarze Kuh: Was machst du mit dem Schlauch?
Saufen tue ich!
ohne Worte

Auf dem Stallerberg biegen wir auf die Valserroute 35 ab und steigen zur Fallerfurgga auf, mit 2837 Metern der höchste Punkt des Tages. Vorher queren wir die wilde Ebene mit den Flüeseen. Manche sind im Sommer ausgetrocknet, andere gut gefüllt. Besonders faszinierend sind die vielen Gesteinsfarben von Grün über Braun bis Violett und Gelb, die im wechselnden Licht wunderschön wirken. Wieder sind wir fast allein unterwegs; nur zwei Personen begegnen uns heute.

Flüeseen
Fallerfurgga
Schemenhaftes Steinwild

Auf der Fallerfurgga ziehen Nebelschwaden an den Bergflanken vorbei, es ist frisch. Am Horizont erkenne ich drei Steinböcke oder Steingeissen, teilweise vom Nebel verhüllt. Weiter unten sehen wir Frösche. Das Tal ist lang, wild, abwechslungsreich und unverbaut. Unterhalb des Piz Platta liegen die letzten kümmerlichen Reste des Vadret da Piz Platta, dessen Gletschermilch den Ragn da Val Bercla trübt. Auf einer Kiesbank entdecken wir eine Wasseramsel.

Hallo – alles gut bei dir?
ein wildes Tal
der letzte Rest des Vadret da Piz Platta

Bei unserer Mittagspause auf rund 2200 Metern erleben wir ein seltenes Murmeltier-Schauspiel. Viele Jungtiere sind unterwegs, kaum scheu und sehr neugierig. Zwei Geschwister präsentieren sich uns minutenlang aus nur zwei Metern Entfernung. Wir schauen, fotografieren und geniessen.

Nach dem Mittag trifft die angekündigte Regenfront aus Westen ein. Es wird trüb, windig und kühl, und wir ziehen rasch die Regenkleider an. Kurz darauf prasselt der Regen los. Fast zwei Stunden werden wir durchnässt, was uns kaum stört, denn der Regen ist willkommen. Nass erreichen wir Mulegns nach fast 1500 Höhenmetern Abstieg.

Gabi testet ihre neue Regenjacke
auch mit Regen ist es schön
Mulegns mit dem weissen Turm (einer Reminiszenz an die Zuckerbäcker von Mulegns)

Dort ziehen wir trockene Kleider an und kehren im frisch renovierten Hotel Löwe ein. Wir informieren uns über Origen, die Stiftung, die sich im Tal für Kultur und historische Bauten engagiert. Was in Mulegns entsteht, zeigt eindrücklich, was mit Geld, Engagement und guten Ideen möglich ist. Der weisse Turm ist der höchste digital gedruckte Turm der Welt!

So enden unsere zwei Tourentage. In Fideris waschen und trocknen wir alles Nötige, damit wir am Mittwoch bereit sind für die nächsten Touren. Den Dienstag geniessen wir als Ruhetag – schliesslich haben wir Ferien.

Die Bilder vom Sonntag – und diejenigem vom Montag.

Mit den Routen.

Sonntag
Montag

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