Das Puschlav zieht sich ziemlich genau von Norden nach Süden. Auf der Ost- und Westseite geht es steil hinauf. Zu den hohen Gipfeln der Bündner Berge beziehungsweise zu den Grenzbergen zu Italien.
Nach den tollen Eindrücken, die wir am Donnerstag im Val da Camp geniessen durften, wollen wir heute länger im Velosattel unterwegs sein. Mit den Velos das Tal erkunden, das ist der Plan. Den wir entlang der Route 432 in die Tat umsetzen.
Wenn die Karte nicht zur Realität passt
Gemäss dem, was SchweizMobil auf der Karte anzeigt, führt uns die Route zuerst im Tal sanft hinauf bis Sfazù. Wo es nochmals etwas ins Val da Camp hineingeht. Eigentlich. Denn in der Realität sieht Gabi schon kurz nach der Einfahrt ins Val da Camp einen Wegweiser, der uns mit der Route talabwärts schicken will. Was überhaupt nicht mit der Karte übereinstimmt. So fahren wir ins Tal, verpassen locker den richtigen Abzweiger, weil der nicht mehr angeschrieben ist, drehen wieder um und suchen nochmals, bis wir ihn finden.
Kurz nach der Abzweigung müsste die Route auf der Westseite des Tals abwärtsführen. Was sie aber nicht tut. Stattdessen prangt ein für den Kanton Graubünden seltenes Verkehrsschild am Wanderwegweiser – es ist ein Velofahrverbot. Da haben wir einen klassischen Widerspruch zwischen Landkarte und Realität im Gelände. Da wir alleine sind, schieben wir die Velos halt ein Stück. Und überlegen uns, was hier los sein könnte.
Übertourismus und seltene Verkehrsschilder
Weiter unten, nach einer Alp, können wir uns einen Reim darauf machen. Da prangt ein anderes Schild: ein Fussgängerverbot. Auch das ist ein rares Exemplar in den Bergen. In Verbindung mit der Umleitung des Wanderwegs ist das vermutlich eine Massnahme gegen den Übertourismus im Val da Camp und an den wunderschönen Seen.
Die Wirtin des Restaurants Camp hat gestern genau darüber berichtet. Nämlich von den Menschenmassen, die sich im Sommer ins Tal ergiessen. Die haben ihrer Ansicht nach die kritische Grenze überschritten, was nun Probleme mit sich bringt.
Heute ist der Übertourismus für uns kein Thema. Wir sind nämlich alleine. Aber ja, auf dem Weg hinauf zu den Seen ist auch heute Betrieb. Überschaubar zwar, aber wir können uns gut vorstellen, wie das in der Hochsaison aussieht.
Auf gefrorenen Wegen talwärts
Wir pedalieren und kurven langsam, aber sicher zu Tal. Immer wieder unterbrochen von Zwischenaufstiegen. Der Weg ist streckenweise gefroren. Was gut ist, so ist es nicht matschig, sondern gut fahrbar. Bloss ein paar kleine Stücke absolvieren wir sicherheitshalber zu Fuss.
Auch heute ist gegen 15.30 Uhr Schluss mit der Sonne. Die verzieht sich hinter den Bergen zu den sieben Zwergen. Im Schatten wird es rasch frisch und wir sind froh, als wir unten am Bahnhof Poschiavo ankommen und unseren heissen Tee – von Raselli – schlürfen.
Zu Gast bei Raselli
Nächtigen tun wir heute in Le Prese. Im Hotel Raselli. Raselli? Teetrinker werden aufmerken. Genau, das ist doch der feine Tee aus biologischen Kräutern. Die werden hier in Le Prese angebaut.
Im Hotel gibt es alles, was die Rasellis produzieren. Wir sitzen so quasi inmitten der Produkte. Das kommt gut. Auch deshalb, weil das Restaurant des Hauses einen guten Ruf hat. Was wir jetzt, nach dem feinen Nachtessen, bestätigen dürfen. Es war herrlich!
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