Lange habe ich die Bikerunde 636 im Schanfigg schon im Kopf. Heute klappt es. Gabi ist mit ihrer Schwester seit Donnerstag am Wandern und wird am Abend nach Fideris kommen.
Die Idee
Eine Route, die technisch und konditionell als «Mittel» eingestuft wird, die passt. Die Bikeroute 636 ist so eine. Sie führt im Original von Arosa über die Ochsenalp nach Tschiertschen. Und von dort wieder zurück nach Arosa. Für mich plane ich die Route 636+. Zuerst von Fideris hinunter nach Schiers. Mit dem Zug nach Chur. Von dort hinauf nach Tschiertschen. Auf dem Rückweg dasselbe, einfach umgekehrt. Das macht die Route glatt doppelt so lang wie im Original. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Die Umsetzung
Der erste direkte Zug von Schiers nach Chur fährt um 07.32 Uhr. Ergo düse ich zielgerichtet von Fideris hinunter und bin früh genug am Bahnhof. Das passt schon mal. Die Wolken am Himmel, die vom gestrigen Gewitter hängen geblieben sind, verziehen sich langsam. Es ist sehr feucht und klebrig. Bereits in Landquart ist der Himmel dann blau.
In Chur fahre ich durch die leere Stadt hinauf zur Strasse, die zum Meiersboden führt. Ruhig ist es wegen des 1. Augusts. Da ist alles zu. Nach dem Meiersboden geht es hinauf, und über Äber komme ich oberhalb von Passugg auf die Strasse nach Tschiertschen, der ich folge. Angesichts der Länge der heutigen Tour spare ich Akku, wo es geht. Was wiederum heisst, dass mein Wadenakku mehr arbeiten muss. Das merke ich, weil es vom Kopf her stetig tropft. Bei jedem Brunnen halte ich kurz, trinke und kühle mich etwas ab. Wobei es durchaus angenehm ist. Es ist ja noch früh am Tag.
In Tschiertschen biege ich ab, folge der 636 hinunter nach Molinis und erfahre ein Stück Strasse und Weg, das mir neu ist. Es ist eine Freude, hier herunterzudüsen. In Molinis mache ich eine kleine Dorfrunde. Kein Mensch ist unterwegs. Hübsch ist es, das kleine Dorf. Ab jetzt folgt die 636 einem Alpweg. Stetig geht es bergauf, hinein ins Schanfigg. Ich staune, als ich auf der anderen Talseite plötzlich Langwies sehe. Und nach ein paar wenigen Kurven komme ich mitten in Litzirüti aus dem Wald. Das ging ja rassig.
Weiter geht es hinauf zum Stausee von Arosa. Da oben war ich seit Jahren nicht mehr. Der Stausee ist so, wie ich ihn in Erinnerung habe. Eine Kiesgrube mit See. Da hat mir der kleine, namenlose Tümpel kurz vorher viel besser gefallen. Nach ein paar weiteren Kehren bin ich in Arosa am See. Das ist ein Kulturschock. Touristen gibt es wie Sand am Meer. Da wird fotografiert wie wild. Auch ich mache mit. Das Lindemann-Haus im Hundertwasser-Stil sieht super aus. Okay, der Denner im Erdgeschoss müsste nicht sein. Der passt nicht zum Design.
Schnell fahre ich weiter und will die Leute hinter mir lassen. Die 636 führt hinauf zum Roten Tritt. Da wälzen sich wahre Wanderrudel hinauf. Die möchten wohl alle zur Ochsenalp. Die ist bekannt, man kann einkehren. Heute höre ich die Alp schon, bevor ich dort bin. Zum festlichen Tag haben sie eine Musik ausgepackt, die live spielt. Die Beiz ist voll. Mich packt der Graus und ich düse gleich weiter. Ab jetzt allein. Das Volk hängt in der Beiz.
Dafür habe ich die geniale Abfahrt über Tschirtschen bis hinab zum Churer Bahnhof fast für mich allein. Das ist ein Traum. Okay, die paar Autos, die ich überholen muss, sind etwas sperrig. Der Belgier staunt wahrscheinlich immer noch, weil ihn ein Velo überholt hat. Unten in Chur ist nun etwas mehr los. Ich bin gerade so rechtzeitig da, dass ich die S-Bahn zurück nach Schiers erreiche. Mit genau 1 % Restakku fahre ich in Fideris auf die Terrasse. Das ist Berechnung! 80 Kilometer und über 2200 Höhenmeter sind auf dem Tacho. Mit einer Ladung. Super.
Die Bilder des Tages.
Mit der Route.

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