Cho d’Valletta (2496 m) mit den Tourenskis

Das Studium der verschiedenen Schneelagekarten von WhiteRisk kann ein abendfüllender Zeitvertreib sein. Wo genau liegt Schnee und ab welcher Höhe? Wo ist der Neuschnee der letzten Tage geblieben? Und wie ist die Lawinensituation? Die Informationsfülle ist gross. Aber die Realität? Die spielt sich zum Glück immer noch draussen ab.

Der Gupf der Wahl

Eine Skitour im Oberengadin? Wir können uns beide nicht erinnern, das schon einmal gemacht zu haben. Im Unterengadin schon. Aber oben? Das oben beschriebene Kartenstudium bestätigt, was wir schon wissen. In unserer Ecke ist die Schneesituation etwas schwierig. Vor allem unterhalb von rund 1600 Metern gibt es nicht mehr viel von der weissen Pracht. Das und die Lust auf eine Skitour sagen uns, dass wir höher hinauf müssen. Im Oberengadin hat es vor einiger Zeit etwas geschneit. Gehen wir also hinauf und schauen, was daraus geworden ist.

Wir wählen den Cho d’Valletta oberhalb von Samedan. Ein eigentlich unscheinbarer Bergrücken. Aber man sitzt mitten in den Bergen und hat eine herrliche Aussicht auf die Talebene des Oberengadins. Da es unsere erste Skitour seit langem ist, wählen wir eine eher kurze Tour. Man weiss ja nie.

Der Weg zum Ziel

Wir machen die Tour als ÖV-Tour. Mit dem Zug fahren wir ohne Umsteigen direkt von Küblis nach Samedan. Vom Bahnhof sind wir in wenigen Minuten oben beim Dorflift. Wir ziehen die Felle an und los geht’s. Aufwärts, der Markierung des SAC-Tourenportals folgend. Die Route führt durch ein Wildschutzgebiet. Da dürfen wir nicht zu weit vom Weg abkommen.

Die Sonne wärmt enorm, nicht umsonst sind wir auf der Sonnenseite. Auch wenn es am Morgen im Tal bitterkalt war. So um die -12 Grad. Wir haben uns warm angezogen. Das ist ideal. Die warme Kleidung saugt den Schweiss, der in Strömen fliesst, perfekt auf. Es ist wirklich sehr, sehr warm und stellenweise windstill. Zum Glück weht weiter oben eine leichte Brise. Die uns wieder auf Normaltemperatur abkühlt.

Die Strecke selbst ist wirklich schön. Im Lärchen- und Arvenwald schrauben wir uns in die Höhe. Arvenhäher fliegen hin und her, und während wir rasten, segelt ein Adler mehrmals dicht über uns hinweg. Wir sind allein. Nur der Flugverkehr nervt. Auf dem Flugplatz von Samedan lärmen Privatjets und Helikopter. Und über uns fliegen die grossen Jets auf der grossen Luftstrasse gen Mailand.

Oben ist es hübsch

Mächtig erhebt sich der Piz Ot. Wir sind zu seinen Füssen unterwegs und genießen die Aussicht oben auf dem (oder der?) Cho d’Valletta. Blauer Himmel, kaum Wind und angenehme Temperaturen. Was will man mehr. Der Schnee ist, wie er ist. Er ist seinen Trieben gefolgt und hat sich als Triebschnee in der Gegend verteilt. Wobei wir erstaunlich gut durchkommen. Nur die Beine, die wissen noch nicht wie. Ich fühle mich, als wären meine verkehrt herum angeschraubt. Statt Velo, Langlauf und Schneeschuh müssen sie plötzlich auf Skiern Kurven fahren. Das merke ich und bald brummen sie ziemlich unangenehm. Naja, das kommt noch.

Wir fahren hinunter zur Alp Muntatsch. Von dort geht es auf dem Winterwanderweg ins Tal. Auf der Aufstiegsspur wäre die Abfahrt sehr unangenehm geworden. So klappt es problemlos und ist sogar 100% Wildschongebiet verträglich.

Beim Schiessstand kommen wir aus dem Wald und etwa 15 Minuten später sind wir unten am Bahnhof. Dort haben wir genau 6 Minuten Zeit, bis der Zug abfährt. Hätten wir das so geplant, wäre das nichts geworden. Schnell noch zwei alkoholfreie Biere gekauft und ab geht’s in den Direktzug nach Küblis. Herrlich zischt das kühle Bier durch unsere Kehlen. Auch eine kurze Skitour macht durstig! Der Besuch von Luigi Moretti in unserem Zugabteil war dringend nötig.

Trotz zwischenzeitlich schmerzender Beine ist der Genuss gross. Die Ausrüstung ist top und die nächsten Touren werden wohl bald folgen. Womit wir wieder bei den Schneekarten wären. Denn Nachschub von oben gibt es in den nächsten Tagen nicht.

Das Bilderbuch von heute.

Mit der Route.