Der Plan war es, mit Freunden in der Gegend des Chrüz eine Schneeschuhtour zu machen. Es kommt anders als gedacht. Ein Käferchen hat etwas gegen unseren Plan. Die Hälfte des Duos aus dem Unterland liegt flach. Wir verschieben unsere Tour etwas und hoffen, dass sich der Käfer rassig verabschiedet. Wir wünschen gute Besserung!
Gabi und ich hecken etwas anderes für unsere heutige Tour aus.
Verhältnisse und Wetter
Das Tal ist voll mit Nebelflüchtlingen aus dem Unterland. Kein Wunder, die Verhältnisse hier oben sind prächtig. Wann hat es letztmals pünktlich auf Festtage hin geschneit? In einer Menge, die für schöne Touren reicht? Ok, für Skitouren wäre etwas mehr Schnee wünschenswert. Aber das ist Klagen auf hohem Niveau. Das Wetter ist seit Tagen prächtig und bleibt vorläufig auch so. Deshalb suchen wir uns etwas aus, dass nicht in aller Munde ist und vor allem nicht kürzlich als „Geheimtipp“ in einer Zeitung war. Die „Geheimtipp“ Journis, ich könnte sie jeweils schütteln.
Die neue Tour
Die Sayser Chöpfe sind unser Ziel. Das sind drei nahe beieinander liegende Gipfel. Der Chef ist der Cyprianspitz mit 1774 Metern. Gefolgt vom Caral mit 1771 Metern und zwischen den beiden liegt der Sattel mit 1719 Metern. Die Tour machen die meisten von Valzeina her. Diejenigen, die nicht wieder zum Ausgangspunkt zurückwollen, gehen über die Valsersiedlung Stams, die im Winter nur zu Fuss erreichbar ist, hinunter nach Obersays.
Unser Entscheid ist, dass wir das genauso machen. Einfach umgekehrt. Sprich: Wir fahren hoch nach Obersays. Wo wir kurz vor 10.00 Uhr eintreffen. Das kleine Örtchen liegt auf einer Terrasse hoch über dem Rheintal. Von Trimmis aus führt eine schmale Strasse hoch. Noch liegen die Häuser im Schatten. Die Sonne ist um diese Jahreszeit spät dran. Aber wir werden sie geniessen, da sind wir ganz sicher.
Die Stapferei
Der Aufstieg geht zuerst etwas der verschneiten Alpstrasse nach, die nach Stams hinaufführt. Der Wanderweg führt direkter hoch. Den nehmen wir. Die Steigung ist gleich mal saftig. Das gibt warm. Auch wenn es schattig ist. Die Temperatur ist so um die Null Grad herum. Vorbei am tiefen Hagtobel schrauben wir uns hoch. Zum Glück mit den Schneeschuhen und nicht mit den Skis. Der Schnee ist zwar stellenweise pulvrig. Dann aber plötzlich total pappig und zerfahren. Immer wieder passieren wir kleine Maiensässhütten. Manche sind in diesen Tagen bewohnt.
Das Zwischenziel
Nach gut 500 Höhenmetern erreichen wir Stams. Das im Schatten liegt. Wir legen ein paar Höhenmeter dazu und erreichen die Sonne. Herrlich ist es. Und schlagartig warm wie sonstwas. Plötzlich schwitzen wir um die Wette. Rasch sind wir oben auf dem Caral. Von wo wir hinübersehen zum Cyprianspitz. Steil geht es vom Caral hinunter. Um unten Anlauf für den Sattel nehmen zu können. Den wir bald überschreiten. Nochmals geht es hinab und hinauf. Bis zum Ziel auf dem Cyprianspitz. Das Auf und Ab summiert sich am Ende auf eine hübsche Zahl an Höhenmetern für die erste Tour der Saison. Das passt perfekt.
Ausgiebig machen wir Pause, bestaunen die Aussicht und sehen die Nebelschlange. Bis knapp vor Sargans reicht sie vom Walensee her. Rechts, im Rheintal, ist die Zunge nicht sichtbar. Der Dunst zeigt an, dass sie nicht weit weg ist. Am Nachmittag zieht die Nebelsuppe bis nach Malans hoch.
Retour geht es über dieselben Erhebungen. Unser Weg ist erstaunlich lange besonnt. Sogar die Häuser von Stams liegen nun in der Sonne. Wir gehen talwärts, vorbei am Polendenkmal. Das schlichte Holzgebäude am Aussichtspunkt Artimi wurde durch die polnischen Internierten als Feldaltar erstellt. Heute erinnert es als «Polendenkmal» an ihre Arbeitseinsätze, insbesondere an den Wegbau zwischen Says und Stams in den Jahren 1942-44 – einem der vielen «Polenwege» in der ganzen Schweiz. Obersays, das jetzt ebenfalls herrlich in der Sonne leuchtet, erreichen wir bald wieder. Glücklich und zufrieden stellen wir fest: Die erste Schneeschuhtour der Saison hat gefallen. Wenig Leute, viel Sonne und genug Schnee. Da bleiben keine Wünsche offen.
Die Bilder des Tages.
Mit der Route.