Langer Lauf im Mistwetter – und Ausflug in den Frühling

Tja, es gibt so Tage, da hast du einfach Wetterpech. So wie wir am Montag im Engadin. Die Wetterfrösche sagen am Sonntag ganz passable Verhältnisse voraus. Die sich am Montagmorgen in Mistwetter verwandeln.

Der Montag

Der Tag beginnt mit der erwähnten Ernüchterung wegen des viel schlechteren Wetters. Unser Plan ist es, den Engadin Skimarathon in der Variante „Individual“ zu absolvieren. Sollen wir anreisen oder nicht, das ist die grosse Frage. Warmduscher oder nicht? Wir reisen an. Bis nach Maloja. Mit dem üblichen Ghetto in St. Moritz mit dem Bus. Der viel zu spät kommt, schon praktisch voll ist und nochmals jede Menge Leute laden muss. Glücklicherweise kann ich zwei Sitzplätze ergattern. So enden wir nicht als Sardinen mit Langlaufskis. Lustigerweise treffen wir unseren direkten Nachbarn von daheim im Bus. Er reist ins Ferienhaus nach Maloja. Die Welt ist klein.

In Maloja ist der Nebel stockdick, es schneit nass und ist grauslich. Aber was will man? Wir geben bei der Touristinfo unser Gepäck ab, das nach S-chanf transportiert wird und machen uns bereit für den langen Lauf nach S-chanf. Den wir beim Palace starten. Die Verhältnisse sind wirklich miserabel. Auf dem See ist die Loipe für die Skater ein Acker. Für mich, als klassischer Läufer, ist sie teilweise nicht vorhanden oder einfach eine Spur im harten Eis. Dann wieder pflotscht und klebt es. Es ist harte Arbeit, dazu kommen der leichte Schneefall und die miserable Sicht.

am Start im Nebel und im Schneefall

Wir murksen uns tapfer durch, sind aber viel langsamer als geplant. Das schlechte Trassee fordert seinen Tribut. Trotz des schlechten Wetters ist es warm. So sehr, dass ich im Pullover laufen kann. Da ist es dann schon fast gut, scheint die Sonne nicht. Sonst wären das Wasserspiele auf dem See. Immerhin sind nur wenig Leute unterwegs. Die Strecke wäre bei besseren Verhältnissen traumhaft. So wie wir sie antreffen, geht es mehr darum, das, was wir geplant haben, in die Tat umzusetzen. Bei St. Moritz kommt der kurze Steilaufstieg zur Olympiaschanze. Bevor die lange Passage durch die Stazerseegegend folgt. Hier oben ist der Schnee etwas besser. Die Abfahrt durch die aus dem Fernsehen bestens bekannte Sturzfestivalpassage verläuft problemlos. Wir haben die Piste für uns allein.

locker – noch …
Gabi vor Samedan – ihrem Ziel bei Kilometer 30

In Pontresina müssen wir etwas nach dem Weg suchen. Die Schilder sind verwirrlich. Bis nach Samedan laufen wir weiter. Wo Gabi sich entscheidet, ihrem Marathon vorzeitig ein Ende zu setzen. Ich verabschiede mich von ihr und plane, die Expedition bis zum Ende durchzuziehen. Noch habe ich um die 18 Kilometer vor mir. Der Murks geht weiter. Über die Ebene bis nach La Punt ist die Spur miserabel und die Sicht schlecht. Kilometerlang bin ich alleine unterwegs. Was viel über die Verhältnisse aussagt. In La Punt kommt langsam eine gewisse Müdigkeit auf. Das Auf und Ab auf dem Weg nach Zuoz und über die so genannten „Golanhöhen“ zum Truppenlager nach S-chanf ist bei der extrem glasigen Loipe mühsam. Nun, am Ende komme ich nach rund 6 Stunden tatsächlich im Ziel an. 2 Kilometer vorher steht Gabi an der Loipe und wir fahren das letzte Stück gemeinsam. Am Ziel ist es fast 17.00 Uhr und ich habe 44.5 Kilometer in den Beinen. Die Umwege gaben eine paar Kilometer mehr. Unser Gepäck steht am Trockenen bereit, wir ziehen uns um, gehen rund 20 Minuten zu Fuss bis zum Bahnhof und zuckeln mit der Bahn retour nach Fideris.

am Ziel – sogar mit etwas Sonne

Das Fazit? Plan umgesetzt, Haken darunter, Stolz und froh sein, müssen wir diese Strecke nie und nimmerer mit 13’500 Personen absolvieren. Das muss extrem mühsam sein. Und ich als Klassiker würde vom Skatingrudel wohl einfach überfahren. Am Sonntag schauen wir uns das am Fernsehen an. Heute Dienstag dürfen wir berichten, dass die Erholung gut verlaufen ist und wir fit und zwäg bereits wieder unterwegs sind.

Der Dienstag

Regeneration ist angesagt. Den Morgen verleben wir gemütlich in der Wohnung. Am Mittag zieht es uns an die frische Luft. Sonne, blauer Himmel und daheim bleiben? Das geht nicht. Mit dem Auto fahren wir ein paar Kilometer bis Saas im Prättigau. Von wo wir eine gemütliche Wanderrunde am Sonnenhang drehen. Hinauf bis zur Schneegrenze geht es, die auf rund 1350 Meter liegt. Herrlich ist das, Frühling pur. Sogar die ersten wilden Krokusse sehen wir. Die Bewegung lockert die Muskeln schön auf und das Panaché nach der Rückkehr mundet.

Start in Saas
Schnitzkunst
der Fadeuer mit dem Wannenspitz (rechts)
Blick gen Klosters und Monbiel
Rucksack-Café mit Souvenir aus Maloja
der 1. wilde Krokus in diesem Frühjahr

Die Bilder vom Dienstag.

Mit der Runde.